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Sonntag, März 14th, 2010
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Madeira, Teil 2
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Wie versprochen folgt hier der zweite Teil meines kleinen, hoffentlich süffisant zu lesenden Reiseberichts.
Am dritten Tag haben wir endlich ein Auto zur Verfügung. Wobei man vielleicht über die Definition von “Automobil” diskutieren müsste… Was uns in der Tiefgarage erwartet, ist ein dreckiger, silberner Seat Ibiza welcher uns beim Einsteigen mit einer “interessanten” Duftnote und erwartungsvollem Quietschen und Knarren empfängt. Eine Minute später stellt sich zudem heraus, dass die Lüftung nicht funktioniert, aber hey – wir haben beim Buchen bewusst kein Kreuz neben “Luxusgefährt” gemacht! Dass er mit 64 PS leicht untermotorisiert ist, werden wir erst etwas später feststellen, dazu komme ich aber noch.
Wir fahren also zum östlichsten Teil der Insel, genannt São Lorenço, unter (!) der vor einigen Jahren auf Stelzen um 500m verlängerten und früher sicher nicht nur bei Flugpassagieren ob der sehr kurzen Länge berüchtigten Flughafenpiste vorbei. Auf dem grossen, gut besuchten Parkplatz, wo die Strasse in einer Schlaufe endet, stellen wir unsere Maschine ab. Ab da geht’s nur zu Fuss weiter über die Halbinsel. Wir wollen möglichst wenig Gepäck mitnehmen, ich habe ja bereits meine üblichen gut 10kg Fotoausrüstung am Rücken, nehmen wir intelligenterweise (…) wenig Trinkwasser mit. Wenig Wasser bedeutet in unserem Fall 4dl pro Person…
Was wir da noch nicht wissen, ist, dass der Weg fast ununterbrochen entweder auf- oder abwärts führt sowie dass wir über drei Stunden für den Hinweg benötigen werden.
Die Landschaft auf dieser Halbinsel ist wüstenähnlich, es regnet praktisch nie da die Wolken infolge der geringen Höhe der Felsen einfach darüber hinweg ziehen. Teilweise fühlt man sich ein wenig wie auf einem anderen Planeten. Trotzdem ist die Südküste sehr malerisch und ruhig, gegen die Felsen der Nordküste hingegen rennen ununterbrochen hohe Wellen an. Die imposanten Dimensionen der Felsen und der unterschiedlichen Gesteinsstrukturen lassen sich an den teilweise winzig kleinen Menschlein auf den Fotos erahnen.
Nach gut zwei Stunden gelangen wir an die “Teufelsbrücke”, wie ich sie in Anlehnung an die Sage von der Schöllenenschlucht nenne. Sehr eindrücklich ist, wie rechts und links des optisch sehr schmal wirkenden Stegs die Felswände senkrecht Dutzende Meter in die Tiefe fallen.
Steht man einmal darauf, entpuppt sich der Pfad als doch mehrere Meter breit und ungefährlich. Unser Wasservorrat ist mittlerweile ziemlich aufgebraucht und so essen wir vor der Umkehr ein paar Früchte, welche uns am Tag zuvor in der Markthalle aufgeschwatzt worden waren. Wir werden uns bewusst, dass wir Glück hatten und wir bei Sonnenschein und wärmerem Wetter vertrocknet wären.
Total durchgeschwitzt zurück im Hotel wollen wir nur noch duschen. In der Lobby werden wir von einer leicht nervösen Hotelangestellten darüber informiert, dass das Hotel ein “Wasserproblem” hätte und es noch einige Zeit dauern könnte… Wir nehmen also das einzig Flüssige, das wir in unserer Küche haben und setzen uns auf der Terrasse. Bei einer Flasche Madeirawein und einem Sack Chips hoffen wir auf einen fleissigen Klempnergott, welcher uns 2dl später auch tatsächlich erhört. Einer Dusche und einem gemütlichen Abend steht nichts mehr im Wege.
Der nächste Tag ist etwas ruhiger, wir wollen die bekannten Santana-Häuschen anschauen. Nun hat aber Madeira nicht unbedingt die autofreundlichsten Strassen und unser Herr Navigon lotst uns auf direktestem Wege den Berg hinauf quer durch Funchal, Steigung geschätzte 100%. Der Hamstermotor von unserer Maschine hat ebensoviel zu tun, wie ich am Steuer, um den Hamster in seinem Rad beim Anfahren an einer Ausfahrt bei dieser Steigung nicht abzuwürgen. Das Interessante ist, dass sicher 80% der Fahrzeuge auf Funchal vom gleichen Schlag sind wie unser Ibiza. Die Madeirenser sind sich das gewohnt, wie man an ihrer teilweise kriminellen Fahrweise hügelauf-, -abwärts und -querend feststellen kann.
Wir nehmen teilweise die alten Routen entlang der Nordküste anstatt der modernen, hügeldurchquerenden Autobahntunnel. Vor diesen alten Routen wurde in alten Reiseführern gewarnt, dass sie nur für hartgesottene Autofahrer gemacht seien. Das können wir nun nachvollziehen: Die Strasse ist schmal, zu schmal zum Kreuzen, öfters plätschert Wasser vom steilen Felsen direkt auf das Auto. Glücklicherweise ist die Strasse heute nur noch eine kaum befahrene Einbahn.
Die Santana Häuschen waren früher die typischen Fischerhäuschen von Madeira, mittlerweile sind sie wegen dem aufwendigen Unterhalt aber beinahe verschwunden. Nur an wenigen Orten werden sie noch aktiv für den Tourismus unterhalten wie in Santana. Bei unserer Ankunft stellen wir erstaunt fest, dass eine Feststimmung im Dorf herrscht. Wir merken schnell, dass der Grund das alljährlich stattfindende “Round the Island” Velorennen ist. Nach einer Visite der besagten Häuschen wollen wir weiter. Mittlerweile hat es überall Polizei auf Motorrädern, welche Abzweigungen sperren. Wir müssen einen grösseren Umweg fahren, weil diverse Strassen wegen dem Velorennen gesperrt sind. Nicht das letzte Mal übrigens während unserer Ferien.
Am Abend gehen wir zur Abwechslung in den Hafen zu dem in Reiseführern aufgeführten Restaurant-Schiff in der ehemaligen Yacht der Beatles im Hafen von Funchal. Rundherum wurde ein seichtes Bassin angelegt in dem rund zwei Dutzend gemütliche kleine Schiffchen im Wasser stehen, jedes mit einem Tisch und Bänken drin. Dort geniessen wir unser Apéro, bevor wir als fast einzige Gäste an Deck des Schiffes essen, begleitet von einer Band welche bekannte Klassiker interpretiert.
Abschliessend genehmigen wir uns auf der Hotelterrasse noch etwas Portwein zum Absacken bevor wir schlafen gehen.

The Madeira, Teil 2 by sacha danesi photography, unless otherwise expressly stated, is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 3.0 Unported License.










