Madeira, Teil 3
 

Madeira, Teil 3

Typisches Terrassenfeld

Typisches Terrassenfeld

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Winterzeit – ein leidiges Thema. Man glaubt es kaum, aber die Umstellung kann einen sogar in den Ferien “erwischen”. Wir haben mittlerweile Sonntag, während der letzten Nacht wurden die Uhren vorgestellt – und wir haben uns nicht geachtet. Ergo sind wir eine Stunde zu früh dran für unser übliches opulentes Morgenessen und gehen noch einmal eine Stunde liegen. Den Mücken scheint die Zeit offenbar eh einen Deut zu kümmern – unsere Füsse sind total zerstochen…

Während dem verschobenen Morgenessen schauen wir vom Morgentisch aus der Evakuierungsübung eines Kreuzfahrtschiffes zu. Wir wollen heute über den Ecumeida-Pass fahren und anschliessend eine der bekanntesten Levada-Wanderungen machen, welche die Insel zu bieten hat. Die Wanderung zu den 25 Wasserfällen, “25 Fontes”, von Risco im Wandergebiet Rabaçal.

Schattenspiel auf dem Ecumeida-Pass

Schattenspiel auf dem Ecumeida-Pass

Strasse Ecumeida-Pass Richtung Rabacal

Strasse Ecumeida-Pass Richtung Rabacal

Wir steigen also in unser stinkendes Gefährt, öffnen die Scheiben und fahren Richtung Pass. Während einiger kurzen Stopps entlang der Strecke können wir unter anderem Terrassenfelder bewundern, für welche Madeira berühmt ist. Der Pass hingegen entpuppt sich als eher langweilig, immerhin gelingt es mir, ein beeindruckendes Schattenspiel einzufangen.

Also fahren wir kurz darauf weiter, der Nase nach weiter den Berg hinauf in Richtung Wolkengrenze, welche interessante Szenen verspricht. Durch tropfende Tunnel erreichen wir diese und durchfahren die Wolken. Oberhalb von 1400m finden wir wunderschöne Aussichten entlang der Strasse.

Strasse ins Nichts

Strasse ins Nichts

Nach einem weiteren Foto-Zwischenhalt starten wir unser Navi und sehen, dass wir zufälligerweise in die richtige Richtung gefahren sind, Rabaçal liegt auf der von uns eingeschlagenen Route.

Hochplateau von Madeira

Hochplateau von Madeira

Mittlerweile sind wir auf dem Hochplateau von Madeira angelangt. Hier ist alles sehr karg und die Farben gelb, rot und braun dominieren, unterbrochen nur von unzähligen Windgeneratoren mit ihren leuchtorange-gestreiften Rotoren.

Bei Rabaçal angekommen ziehen wir unsere Wanderschuhe an und machen uns an den Abstieg zum Ausgangspunkt der eigentlichen Wanderung zu den Wasserfällen. Unten angekommen, stellen wir fest, dass wir wieder einmal nicht an unser leibliches Wohl gedacht haben – ausser einem mickrigen von mir aufgesparten Snickers haben wir keine Kalorien dabei! Nichtsdestotrotz stürzen wir uns in das kleine Abenteuer. Interessanterweise sind die Leute, welche uns beim weiteren Abstieg begegnen, alle ziemlich ausser Atem und total verschwitzt. Was uns das wohl sagen will…?

Levada bei Rabacal

Levada bei Rabacal

Schon bald zeigt sich eine Levada an der dem Berg zugewanten Seite, sie wird uns fortan nicht mehr verlassen, bis wir an ihrem Ursprung, eben jenen 25 Fontes, angekommen sind. Das Gebiet, durch das wir die folgenden Stunden wandern ist sehr grün, im näheren Umkreis der Levada ist es stets feucht und überall wächst Moos. Das gesamte Gebiet welches wir durchwandern, wirkt wie ein Urwald.

Wer noch nie in Madeira war, kennt vielleicht die immense Bedeutung der Levaden nicht. Sie transportieren das lebenswichtige Wasser vom von Niederschlag begünstigten Inselzentrum und Norden in den eher trockenen Süden. Mit deren Bau wurde schon Ende des 15. Jahrhunderts begonnen, damals waren sie noch recht kurz. In den folgenden Jahrhunderten stiessen die Wasserbauer in immer weitere Entfernungen vor.

Baumdach über Levada

Baumdach über Levada

Levadas wurden nicht nur gemauert, sondern auch aus häufig lotrecht abfallenden Felswänden geschlagen, und immer mit Begrenzungsmauern und einem Wartungsweg. Sie durchqueren die gesamte Insel und erschliessen dem Fussgänger Regionen, welche sonst unzugänglich wären.

Teilweise sind die Wartungswege auf unserer Wanderung derart schmal, dass das Kreuzen mit anderen Wanderern zur Akrobatik-Nummer wird. Mehr als eine Schulterbreite ist oft nicht drin, rechts die Levada, links das Stahlseil resp. der steile Abhang. Und häufig biegen sich Äste von uralten Bäumen, ein Dach bildend, waagrecht über den Wanderweg. Sehr beeindruckend.

Schlussendlich gelangen wir zu den 25 Wasserfällen, wir haben Glück und es sind kaum andere Leute hier. Wir sehen eine Art Becken, wie in einem Hollywood-Film. An der Rückwand plätschert ein Wasserfall von hoch oben hinein, links und rechts davon fliessen unzählige kleine Rinnsale dazu. Da wir Herbst haben, ist das “Ufer” des Beckens mit bunten Blättern verziert, was der ganzen Szene ein besonders schönes Flair gibt. Wer zur Hauptreisezeit hierher kommt, trifft sicherlich eine andere Szene an.

25 Fontes von Rabacal

25 Fontes von Rabacal

Wir teilen uns unser Snickers und machen uns auf den Rückweg. Der zu Beginn befürchtete Aufstieg am Schluss ist so anstrengend, wie er aussah. Auch wir schwitzen und kommen ausser Atem.

Wandergebiet Rabacal, Levada

Wandergebiet Rabacal, Levada

Da heute unser Glückstag zu sein scheint, erwischen wir den allerletzten Shuttlebus des Tages hinauf zu unserem Auto. Nach einem Schuhwechsel fahren wir anstatt auf direktestem Weg erneut über den Ecumeidapass nach Hause. Wir werden Zeuge eines unglaublichen Wolkenmeers und geniessen die letzten Sonnenstrahlen des Tages. Weiter geht es durch die Wolkendecke ins Tal hinunter, wo wir in einen Stau geraten – ein weiteres Mal kreuzen wir die Strecke des bereits erwähnten Around the Island-Velorennens…

Mit dem Wissen, an diesem Tag die schönsten Fotos überhaupt des bisherigen Aufenthalts geschossen zu haben, geniessen wir den gemütlichen Abend.

Zwei kleine Menschlein

Zwei kleine Menschlein

Einfach fantastisch

Einfach fantastisch

Fantastisches Wolkenmeer

Fantastisches Wolkenmeer

Zuckerrohrfabrik in Calheta

Zuckerrohrfabrik in Calheta

Am nächsten Tag besuchen wir die noch in Betrieb stehende Zuckerfabrik in Calheta. Der Anbau von Zuckerrohr brachte der Insel im 15. Jahrhundert Reichtum. Sogar Christoph Kolumbus lebte einige Jahre als Zuckerhändler auf Madeira.

Enge Gasse in Jardim Do Mar

Enge Gasse in Jardim Do Mar

Weiter geht’s zu Jardim do Mar, parkieren müssen wir eingangs des Dorfes, da das Zentrum autofrei ist. Durch eine schmale aber interessante Gasse gelangen wir Richtung Meer, manchmal sind stimmen durch offene Fenster der Häuser zu hören. Leicht erhöht führt eine Promenade entlang dem Meer, Paul do Mar ist einige Kilometer weiter entlang der Küste zu sehen.

Paul do Mar

Paul do Mar

Die Wellen, welche hier an die Küste rollen sind mehrere Meter hoch und entsprechend beeindruckend. Als die Sonne für einige Minuten durch die Wolken scheint, sieht man mich wild entlang der Promenade herumrennen, auf der Suche nach dem besten Blickwinkel für tolle Wellenfotos ;)

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Brandung bei Jardim do Mar

Brandung bei Jardim do Mar

Jagd auf Wellen im Sonnenlicht

Jagd auf Wellen im Sonnenlicht

Unser nächstes Ziel ist die äusserste Ecke im Westen der Insel, Ponta do Pargo. Wir fahren zig Kilometer über sehr steile und holprige Strassen und durch abgelegene Dörfer. Die mittlerweile auf praktisch der ganzen Insel und in den letzten Jahren gebauten Schnellstrassen sind hier noch im Bau. Und Besuch scheint hier in Ponta do Pargo eher selten zu sein, viele Dorfbewohner schauen unserem Auto neugierig nach, während wir durch ihr ruhiges Dorf rollen. Es findet gerade ein Trauergottesdienst statt, eine Menge schwarz gekleideter Menschen ist unterwegs auf der Hauptstrasse.

Das eigentliche Ziel, den Leuchtturm an der Küste finden wir auf Anhieb. Die Besuchszeit ist vor wenigen Minuten zu Ende gegangen, der Himmel ist grau und das Licht langweilig. Die Aussicht von der ungesicherten Kante der Steilklippe auf die Riesenwellen ca. 500m tiefer ist aber grandios (…gefährlich).

Brandung bei Ponta do Pargo

Brandung bei Ponta do Pargo

Normalerweise bin ich überhaupt nicht der geduldige Typ Mensch, aber wenn es um Fotos geht… Also beharre ich darauf, dass wir warten und mache ein paar eher langweilige Fotos. Touristen kommen und gehen, irgendwann kommen keine neuen…

Nach gut einer halben Stunde geschieht es – die Sonne lugt ein letztes Mal an diesem Tag ungestört durch die Wolken hindurch.

Leuchtturm von Ponta do Pargo

Leuchtturm von Ponta do Pargo

Genau der Moment, auf den ich gewartet hatte! Klack! Klack! Klack! Das Warten hat sich gelohnt!

Nach einer Viertelstunde geht sie unter und wir machen uns auf den Nachhauseweg. Nach einem kleinen Madeirawein-Apéro auf unserem Zimmer, sehen wir die Fotos der letzten Tage durch. Anschliessend essen wir im Restaurant Citade Velha, auf einem kleinen Platz direkt vor der gelben Festung der Altstadt von Funchal eine typische Madeiraspezialität: Degenfischfilet, hier Espada genannt. Das sind die bedrohlich aussehenden Fische aus meinem ersten Madeira-Bericht. An Kräuterbutter zubereitet und wie er so harmlos auf dem Teller liegt, kümmert uns das aber wenig und wir geniessen das feine Mahl.

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