Madeira, Teil 4
 

Madeira, Teil 4

Willkommen zum letzten Teil meines Reiseberichts und meiner Fotos von Madeira.

Unsere Ferien neigen sich langsam dem Ende entgegen. Dementsprechend wollen wir unsere letzten paar weissen Flecken von Funchal erkunden. Ein solcher Ort ist Camara de Lobos, gleich westlich von Funchal wo Präsident Churchill eine Residenz hatte von welcher aus er den Blick über den Hafen genossen haben soll.

Churchill's Aussicht in Camara de Lobos

Churchill's Aussicht in Camara de Lobos

Das Örtchen soll früher sehr arm gewesen sein, heute ist es beherrscht von einigen Bars, in welche laut Reiseführer viele Fischer kurz nach dem Fang ihr hart verdientes Geld hintragen sollen. Und so treffen wir die Szenerie auch an, es ist Mittag, im Zentrum des Dorfes tummeln sich diverse eher jüngere Männer auf den Strassen zwischen einigen Bars. Sie scherzen, lachen und reden miteinander, zu trinken scheint aber kaum einer.

Sightseeing auf die bequeme Art, Câmara de Lobos

Sightseeing auf die bequeme Art, Câmara de Lobos

Wir gehen zum Hafen hinunter, wo wir zuschauen können, wie ein paar Fischer den heutigen Fang in mächtig viel Salz einlegen. Auf dem Kahn daneben hängen unzählige zum Trocknen aufgespannte Fische.

Es ist unglaublich heiss, trotzdem erkunden wir den Rest des Dörfchens über steile Wege auf- und abwärts. Während wir etwas erhöht auf den Kern hinunterschauen scheint sich plötzlich ein Haus zu bewegen – ein RIESEN-Sightseeingbus schiebt sich durch die plötzlich engen Gassen.

Der nächste noch zu erkundende Ort ist Porto Moniz, er ist für seine Naturschwimmbecken aus Lavastein berühmt. Die Becken sind heute gesperrt, ein paar Unverbesserliche sind trotzdem darin am Baden.

Naturbecken in Porto Moniz

Naturbecken in Porto Moniz

Aber wie das Meer darum herum tobt! Die Wellen brechen zig Meter hoch, es ist ein beeindruckendes Schauspiel, welches sich vor unseren Augen abspielt. Trotzdem ist das Wasser in den Becken beinahe unbewegt und ruhig.

Die See rennt gegen das Schwimmbecken bei Porto Moniz an

Die See rennt gegen das Schwimmbecken bei Porto Moniz an

Das Meer tobt bei Porto Moniz

Das Meer tobt bei Porto Moniz

Während wir feinen Toast und Wasser auf der Promenade geniessen können wir dem Tosen weiterzuschauen. Zwischendurch kommen ein, zwei Monsterwellen, alle Gäste schauen gebannt zu. Nebenan, mehrere Meter tiefer, arbeiten Männer auf Meereshöhe. Ich könnte wetten, dass diese von den grossen Wellen weggespült werden, sie scheinen aber zu wissen, wie das hier läuft und bleiben trocken, die Wellen laufen sich kurz vor ihrer Position tot.

Ruhe bewahren ist gefragt

Ruhe bewahren ist gefragt

Es ist später Nachmittag und wir nehmen den Rückweg unter die Räder. Morgen werden wir das stinkende Auto abgeben, nach total 640km.

Wir wollen heute einmal noch ein neues Restaurant ausprobieren und entscheiden uns nach Reiseführer für den uns bisher unbekannten Westteil der Stadt. Wir sitzen alsdann in einer nicht allzu vertrauenserweckenden Beiz auf einer Pflastersteinstrasse und sind am Aufgeben der Bestellung. Da schauen unsere Nachbarn plötzlich irritiert auf meinen Ärmel und tuscheln – Kakerlaken-Alarm in meinem umgeschlagenen Hemdsärmel! Ich sehe, wie zwei Fühler aus meinem Ärmel herausschauen – wie süss… Für mich besonders interessant ist die Reaktion der Servierfrau – sie macht unwillkürlich einen Schritt nach hinten… Trotzdem bestelle ich einen für Madeira typischen Lorbeerspiess (300g), ausserdem genügend Hauswein.

Am nächsten Morgen geben wir unser Auto ab, heute werden wir noch einmal zu Fuss Funchal erkunden. Infolge Regens müssen wir unser Frühstück zum ersten Mal im grossen Saal statt draussen einnehmen, was mich doch ziemlich schmerzt. Etwas später ist es wieder schön und heiss und wir gehen einen steilen Weg hinauf zur bekannten Quinta Boa Vista, welche praktisch nebenan von unserem Hotel steht. Der fantastische Garten beeindruckt uns.

Wunderschöne Blumen bei der Quinta Boa Vista

Wunderschöne Blumen bei der Quinta Boa Vista

Beeindruckende Blüte bei der Quinta Boa Vista

Beeindruckende Blüte bei der Quinta Boa Vista

Gemütliches Gartenhäusschen bei der Quinta Boa Vista

Gemütliches Gartenhäusschen bei der Quinta Boa Vista

Allerdings erfreut uns weniger, dass wir den gesamten Weg wieder hinunter zur Strasse gehen müssen um danach erneut die steile Bergstrasse Richtung Botanischer Garten unter die Schuhe nehmen zu können.

Also geht’s weiter steil den Berg hinauf, teilweise fast 45°, ich schwöre, ich übertreibe nicht!!! Ständig fahren Autos röhrend und stinkend an uns vorbei. Es ist zudem tödlich heiss. Vor einer noblen Haustür im Schatten pausieren wir kurz um uns zu orientieren. Da biegt ein dicker 6er BMW um die Ecke, hält neben uns, die Scheibe geht runter und der Fahrer fragt uns portugiesisch, ob wir zu ihm wollen, während er gleichzeitig mit offenbar schlechtem Gewissen den Terminplan seines Smartphones kontrolliert. Wir lachen und wehren ab, er lacht ebenfalls und fährt 6m weiter wo er durch ein Tor vor „unserer“ Villa parkiert. ;)

Die Rua Rochinha von Funchal ist STEIL

Die Rua Rochinha von Funchal ist STEIL

Kurz danach kommt ein knallrotes knattriges Auto mit sehr auffälligem Aufbau auf dem Dach unsere Strasse hinunter. Schon bevor ich die unauffällige Beschriftung des Fahrzeugs lese weiss ich, das ist Google Streetview und werfe mich mitsamt Ausrüstung in Pose. Deshalb gibts leider auch kein Foto davon. Bis heute warte ich allerdings noch vergeblich darauf, dass Streetview auf Madeira aktiviert wird. Wer uns in Zukunft einmal sehen will: Rua da Rochinha. ;)

Einmündung der Rua Rochinha von Funchal - unglaublich

Einmündung der Rua Rochinha von Funchal - unglaublich

Nach ca 400m Höhendifferenz und viel (!) Schweiss (und durchwachsenen Flüchen auf Berndeutsch) gelangen wir beim Garten an, Zunge bei Fuss. Es hat nur wenige Besucher. Der Garten ist zwar schön grün, hat aber momentan wenig Blüten zu bieten. Trotzdem ist der Botanische Garten einen Besuch wert, mir gelingen wieder einige fantastische Aufnahmen.

Übersicht auf Funchal vom Botanischen Garten aus

Übersicht auf Funchal vom Botanischen Garten aus

Schlüssellochblick im Botanischen Garten von Funchal

Schlüssellochblick im Botanischen Garten von Funchal

Restaurant im Botanischen Garten von Funchal

Restaurant im Botanischen Garten von Funchal

Feinste Strukturen im Blatt

Feinste Strukturen im Blatt

Leuchtende Blätter

Leuchtende Blätter

Zurück im Hotel gönnen wir uns Apero 1a und 1b und rekapitulieren bei einer kleinen Fotoshow etwas unsere Ferien. Ich stelle bei dieser Gelegenheit fest, dass ich vom heutigen Aufstieg in die Steilwand von Funchal Blasen an einem Zeh gekriegt habe.

Diesen Abend will ich noch Aufnahmen von Funchal während der Dämmerung machen, wir sind aber spät dran und zu weit weg vom Hafen. Einen gerade im Auto ankommenden Einheimischen frage ich, ob es möglich ist, auf den Pier zu kommen. Er fackelt nicht lange und fragt, ob er mich mitnehmen soll. Kurzerhand packt er sein Töchterchen wieder ins Auto und fährt mich die 2min zum Ende des Hafens. Auf meinen Smalltalk hin, wir wären in der Rua Conde Carvalhal, erzählt er, dass er an eben dieser Strasse ein Haus am Bauen ist und zeigt mir die Stelle links von der Kirche. Leider

bin ich nun definitiv zu spät, der Himmel ist nur noch schwarz statt dunkelblau. Die blaue Stunde ist extrem kurz hier.

Beim 'Engländer' an der Promenade von Funchal

Beim 'Engländer' an der Promenade von Funchal

Zum Trotz experimentiere ich anschliessend etwas mit dem speziellen Objektiv, welches ich heute Abend auf die Kamera geschraubt habe.

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Den letzten Abend wollen wir wieder in unserem absoluten Lieblingsrestaurant vom allerersten Abend verbringen(nein, ich werde es hier nicht verraten ;) ).

Unser Lieblingsrestaurant, experimentell fotografiert

Unser Lieblingsrestaurant, experimentell fotografiert

Erfahren wie wir mittlerweile sind, bestellen wir Garlic Bread und Weisswein sowie die Menus wie am ersten Tag. Nach einem absolut tollen Essen werden wir von beiden Kellnern herzlich verabschiedet, sie wissen, dass dies unser letzter Abend ist.

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Am Tag unserer Abreise klingelt der Wecker erbarmungslos um 6:30. Nachdem wir während unserer abschliessenden Vorbereitungen noch einige Male die grandiose Aussicht genossen habe werden wir von unserer netten Hotelangestellten zum Flugplatz gefahren.

Der Abschied von Funchal ist nah

Der Abschied von Funchal ist nah

Morgenlicht über dem Hafen von Funchal

Morgenlicht über dem Hafen von Funchal

Kühlschrank nach Evakuierung

Kühlschrank nach Evakuierung

Kleine Anekdote zum Schluss: Zuhause empfängt mich ein leicht muffiger Geruch in der Wohnung. “Kann ja sein nach 11 Tagen” denke ich mir. Ich öffne den Kühlschrank und will mein frisch gekauftes Sixpack Bier ans Kühle stellen – stattdessen schlägt mir Wärme und abartiger Gestank entgegen! #°@#&%+?!! Aus Versehen hatte ich vor den Ferien den Strom für die Küche ausgeschaltet… Ihr könnt euch die darauf folgende mehrtägige Putzaktion schlicht nicht vorstellen…

Statistik für die Interessierten: Ich habe 3199 Fotos resp. 81.7 GB Daten mit nach Hause genommen.

Impressionen aus Madeira, frei nach Sacha ;)

- Die Menschen sind freundlich, das Motto ist „leben und leben lassen“, auf dem Trottoir wird Platz gemacht
- Autos sind untermotorisiert und verbeult und es wird rücksichtsvoll gefahren
- Busse und Taxis haben keine Bremsen
- Reifen müssen quietschen, egal bei welcher Art Gefährt
- Überall Gestank, entweder Abgase oder Fisch…
- Immer warm und feucht
- An jeder Ecke hat es klitzekleine Bars
- Strassen normalerweise voller Schlaglöcher. Taxis und Busse fahren halsbrecherisch.
- Strassen sind ein kontinuierliches Auf und Ab
- Schmale Gassen, Muster aus schwarzen und weissen Pflastersteinen
- Sehr nette und offene Menschen
- Restaurants: Beilagen werden auf der Karte konsequent nicht erwähnt
- Die Mücken sind mörderisch! Die Stiche bleiben zwei Wochen sichtbar.

Euer Sacha


     

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